{"id":868,"date":"2018-01-26T19:55:51","date_gmt":"2018-01-26T17:55:51","guid":{"rendered":"https:\/\/christliche-mitte.de\/?p=868"},"modified":"2018-02-04T13:24:43","modified_gmt":"2018-02-04T11:24:43","slug":"bodelschwinghs-beruehmter-brief-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christliche-mitte.de\/index.php\/2018\/01\/26\/bodelschwinghs-beruehmter-brief-2\/","title":{"rendered":"Bodelschwinghs ber\u00fchmter Brief"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist kurz vor dem Jahr 1900. Das deutsche Kaiserpaar besucht Bethel und sieht staunend das Werk des protestantischen Pastors Friedrich von Bodelschwingh. Dieser schreibt bald darauf einen Brief an die Kaiserin: \u201eWollen Eure Majest\u00e4t dem Kaiser nicht einmal sagen, da\u00df es in Deutschland noch Hunderttausende von Familien gibt, die nur ein einziges Zimmer, ja vielleicht nur ein einziges Bett haben &#8230; Wenn die V\u00e4ter morgens um halb f\u00fcnf aufbrechen, schlafen die Kleinen noch, und wenn sie abends heimkommen, schlafen sie schon wieder.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Bodelschwinghs ber\u00fchmter Brief<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mit 73 wird der protestantische Pastor Abgeordneter im Preu\u00dfischen Landtag. Hier greift er Berlins Magistrat an, weil Obdachlose Nachtquartier und Essen, aber keine Arbeit erhalten. Wie kommt ein Seelsorger zu solchem Wirken?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als junger Pastor ist Bodelschwingh, ein Minister-Sohn, in der 1,7-Millionen-Stadt Paris verantwortlich f\u00fcr die 60.000 deutschen Gastarbeiter, viele von ihnen Lumpensammler und Gassenkehrer. Danach, 7 Jahre lang, Landpfarrer in Westfalen, von wo er als 40j\u00e4hriger nach Bielefeld kommt. Bethel f\u00fcr Epileptiker und Sarepta f\u00fcr Diakonissen f\u00fchrt er hier zusammen. Der Tod seiner vier Kinder durch Keuchhusten hat ihn ersch\u00fcttert: \u201eDar\u00fcber bin ich barmherzig geworden.\u201c Als man fragt: \u201eWarum l\u00e4\u00dft Gott all das Elend zu?\u201c, antwortet er: \u201eMan mu\u00df etwas zum Lieben haben.\u201c So steckt er alles weg \u2013 auch da\u00df eine Kranke ihn ohrfeigt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Heimat f\u00fcr 5000 Behinderte<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Jeden l\u00e4\u00dft er auf eigene Weise mitarbeiten, die 2000 Epileptiker und die 3000 Behinderten, die sich allm\u00e4hlich ansammeln. Heute noch sind 80 Personen f\u00fcr die \u201eBrockensammlung\u201c t\u00e4tig, benannt nach dem Wort \u201eSammelt die \u00fcbriggebliebenen Brocken!\u201c (Joh 6,12). 9.500 t treffen j\u00e4hrlich in Bethel ein, \u00e4hnlich wie die Konservativen in Hamburg Gebrauchtkleidung, Gummistiefel und Federbetten f\u00fcr ihr \u201eSorgenb\u00fcro\u201c in Lettland zusammentragen. Fast 40 Jahre bleiben Bodelschwingh, um 67 Pflege- und 80 Wohnh\u00e4user zu bauen, dazu 30 Wirtschaftsgeb\u00e4ude. Den Bischof von M\u00fcnster ber\u00e4t er wegen der Anlage einer \u201eKolonie\u201c f\u00fcr Arbeitslose. Gef\u00e4hrlicher als die Jesuiten sei die Flut glaubensloser Kritik. Vom \u201eRauhen Haus\u201c des Pastors Wichern in Hamburg lernt er das Zusammenleben seiner Schutzbefohlenen in Familien-Gruppen. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts gr\u00fcndet der Unerm\u00fcdliche das \u201eBr\u00fcderhaus\u201c. Wer an der Pforte bettelt, mu\u00df, bevor er Essen bekommt, eine Stunde lang arbeiten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>R\u00fcge vom Oberkirchenrat<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Um genau zu wissen, wie Wanderarme und Arbeiter leben, schickt der Theologen-Ausbilder einen Studenten drei Monate auf Wanderschaft. Das tr\u00e4gt ihm eine kirchliche R\u00fcge ein. Nach Verleumdungen werden zweimal Geb\u00e4ude von Bethel angez\u00fcndet. Inmitten aller Belastungen gelangt der K\u00e4mpfer f\u00fcr die Armen zu Krupp in Essen und ringt ihm das Versprechen ab, 600 H\u00e4user f\u00fcr Arbeiter zu bauen \u2013 ohne Bindung an seinen Betrieb. Gewerkschaftern bietet er Sozialkurse an und ist \u00fcberzeugt: Christen m\u00fcssen politisch aktiv werden. Es komme nicht an auf einen christlichen Staat, aber auf Christen im Staat. Im Parlament erreicht Bodelschwingh ein Gesetz zugunsten von Arbeitslosen. Um es zu verbessern, sucht er August Bebel auf, den Gr\u00fcnder der sozialistischen Arbeiterpartei. Die Universit\u00e4t M\u00fcnster verleiht Bethels Pastor den Ehrendoktor.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als Friedrich von Bodelschwingh 1910 79j\u00e4hrig stirbt, ist die Zahl der Diakonissen mit Ordensgel\u00fcbden auf 263 gestiegen. Schwestern senden sie aus in alle Welt. Der Leitspruch dabei: \u201eDienen will ich!\u201c Bewerberinnen m\u00fcssen l\u00e4ngere Zeit \u201eihre Bekehrung durch gute Werke best\u00e4tigt haben\u201c. In der Berufsordnung hei\u00dft es: \u201eDem Herrn Jesus dienen in Seinen Elenden. Alle Diakonie gr\u00fcndet sich auf Seinen Dienst.\u201c Viele junge Diakonissen sterben bei der Pflege von Typhuskranken. Nachfolger des Gr\u00fcnders wird sein ebenso tapferer wie erfinderischer Sohn Fritz. Als Bethel vom NS-Regime \u201eger\u00e4umt\u201c werden soll, stellt er sich in den Weg: \u201eNur \u00fcber meine Leiche!\u201c. So rettet er Tausende.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\"><em>K.R.<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist kurz vor dem Jahr 1900. Das deutsche Kaiserpaar besucht Bethel und sieht staunend das Werk des protestantischen Pastors Friedrich von Bodelschwingh. 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